Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und gesegnete Feiertage!

Pünktlich zum 25., in Neuseeland der Tag, um Weihnachten zu feiern, kommt mein neuer Newsletter.

Weihnachten mal ganz so anders zu feiern ohne Familie und Freunde ist schon etwas komisch, aber auch mal eine neue Erfahrung.

Ich bin sehr gespannt, was mich nach Weihnachten dann auf meiner weiteren Reise erwartet. Aktuell schwebe ich ein wenig in Ungewissheit, da ich nicht weiß, was mit meinem Auto los ist und wie teuer es wird das zu reparieren. Aber bis jetzt kann ich das noch sehr entspannt sehen.

Grüße aus Tauranga,

Michael


Tag 89: Sonntag

Heute Morgen bin ich recht früh ausgewacht. Das war dann aber auch ganz praktisch, weil ich meine Wäsche noch mal zum Trocknen aufhängen konnte.

Auf der Homepage der Kirche zu der ich gehen will, steht, dass man gerne früher auf einen Kaffee vorbeikommen soll. Also bin ich schon eine halbe Stunde vor Beginn in der Kirche angekommen. Es war aber noch relativ leer und der Barista war noch nicht mal da. Ich hab mich dann einfach aufs Sofa gesetzt und gewartet. Es saßen noch ein paar andere auf den Sofas und ich hatte ein wenig Smalltalk mit denen. Kurz vor Gottesdienstbeginn kam dann noch der Prediger auf mich zu und meinte, er hätte mich für die Nacht eigentlich aufgenommen, aber die Info hat mich dann wohl nicht mehr erreicht. Der Gottesdienst war alles in allem ganz gut und der Lobpreis hat mir gefallen. Am Ende hab ich mir noch mal einen Kaffee geholt und mich auf Sofa gesetzt und gewartet, was passiert. Ich hab dann noch mit einer Frau geredet und wurde eingeladen, mit einer kleinen Gruppe zum Mittagessen in das Einkaufszentrum mitzukommen. Aber irgendwie war der Morgen heute verglichen mit den letzten Sonntagen nicht ganz so spannend.

Ich bin dann in die Bücherei und hab meinen Newsletter angefangen. Am Abend war dann „Christmas in the Bowl“. Das ist eine Veranstaltung, wo fast ganz New Plymouth hingeht. Zuerst spielt eine Band und dann gibt es ein buntes Programm von lokalen Vereinen. Zum Abschluss gibt es dann natürlich auch noch ein Feuerwerk. Eigentlich ein ganz schöner Abend und alles kostenlos. Auf dem Rückweg zum Auto geht es dann noch durch den Park, der zurzeit sehr schön mit Lichtinstallationen beleuchtet ist.

Es war schon spät und ich bin dann einfach noch mal auf den Parkplatz im Mt. Edmont Park gefahren zum Schlafen.

Tag 90: Montag

Meine Frühstücksvorräte sind komplett erschöpft. Also habe ich heute Morgen nur schnell mein Zeug zusammengepackt und bin in New Plymouth zum nächsten Supermarkt gefahren. Danach ging es wieder in die Bücherei um den Newsletter fertigzumachen. Das WLAN in der Bücherei hat dann leider nicht zugelassen meinen Blog hochzuladen und ich musste mich bei windigem Wetter noch draußen vor einen anderen WLAN Hotspot setzten.

Da ich heute Abend noch ein Skype Interview für einen Freelancing Job habe, war ich sehr in und hergerissen, was ich den Tag über tun sollte und wo ich die Nacht verbringe. Ich bin dann, um die Entscheidung vor mir herzuschieben, erst noch in die Kunstgalerie gegangen. Das war aber wirklich absolut nicht meine Art von Kunst. Mit wackelnden Metallteilen kann ich einfach nichts anfangen. Ich war dann sehr schnell wieder etwas deprimiert draußen.

Dann gab es die spontane Entscheidung. Ich fahre nach weiter nach Whanganui. Ich hab noch versucht zwei Leute auf Couchsurfing anzuschreiben, hab aber leider keine Antwort bekommen. Ich bin dann einfach mal losgefahren. Und das war ein richtig gutes Gefühl, nachdem ich eine Entscheidung getroffen habe und nicht nur doof rumgehangen bin. Da kommt halt doch wieder meine deutsche Kultur raus. Ich mag einfach, wenn es eine feste Entscheidung gibt.

In Whanganui wollte ich dann zuerst Freedom campen (In Neuseeland ist es erlaubt auf vielen Plätzen einfach kostenlos zu Campen.), aber der Platz war einfach ein Parkplatz mitten an der Hauptstraße. Das war mir dann ohne Vorhänge im Auto doch etwas zu komisch. Ein paar Kilometer weiter hab es dann aber auch einen Campingplatz für 10 $. Dort bin ich dann einfach hingefahren. Das war ein ganz schöner Platz mit einem sehr netten Besitzer. Neben mir waren zwei Schweizer, mit denen ich mich ein wenig Unterhalten habe. Da die Küche mit Leuten gestopft voll war, habe ich mir einfach für 7,50 $ Fish & Chips von nebenan geholt. Ich hab einen Campingplatz, bin satt und das Ganze für weniger Geld, als der Campingplatz in New Plymouth alleine.

Heute habe ich auf Facebook einen Beitrag in einer Backpackergruppe für Neuseeland gelesen, der mich inspiriert hat. Dort hat sich einer ein wenig darüber ausgelassen, dass viele Leute auf den Campingplätzen immer nur in kleinen Grüppchen zusammen rumhängen und nicht offener sind. Darunter gab es dann ein Kommentar, wo einer meinte, vielleicht liegt es auch nicht nur an den anderen, sondern vielleicht muss man die Grüppchen einfach ansprechen. Beide Punkte kann ich 100 % nachvollziehen. Also hab ich heute einfach gleich jemand angesprochen, der mich interessiert hat. Es war ein Niederländer, der in 6 Wochen durch ganz Neuseeland mit dem Fahrrad fahren will. Ich muss vielleicht einfach endlich lernen die Leute auf den Campingplätzen einfach anzusprechen.

Das Skypegespräch war gut und ich hab jetzt fix meinen ersten Auftrag. Damit werde ich zwar immer noch nicht reich, aber immerhin kann ich im Gegensatz zum Flower Picking den Job im trockenen und warmen machen.

Tag 91: Dienstag

Heute war dann auch mal wieder Zeit für ein gemütliches Frühstück und eine Dusche am Morgen. Danach bin ich erst mal zur i-Site und hab so viele Dinge empfohlen bekommen, dass ich auch locker mehrere Tage bleiben könnte. Ich bin dann zuerst zu den Glasbläsern, was aber gar nicht so spannend war, weil heute keiner gearbeitet hat. Danach bin ich in die Stadt und hab hingesetzt um eine halbe Stunde zu Arbeiten. Als ich gerade wieder meinen Laptop eingepackt habe, hat mir mein Handy gemeldet, dass sich auf Facebook jemand in Sicherheit gemeldet hat nach dem Terroranschlag in Berlin. Also gleich wieder den Laptop raus und nachschauen was da los ist. So was ist einfach wirklich traurig, und das auch sehr traurig gestimmt. Ich bin hier im schönen Neuseeland und bei uns passiert so was kurz vor Weihnachten.

Ich bin dann gemütlich zur i-Site und hab noch mal ein bisschen weitergearbeitet und den Laptop dabei geladen. Bis jetzt komme ich ganz gut voran. Als Nächstes ging es auf einen Turm mit einer schönen Aussicht und in einen kleinen Park zum Mittagessen. Dort bin ich dann auch noch um den kleinen See gelaufen. Zurück in der Stadtmitte habe ich mir einen Milkshake geholt und noch mal gearbeitet. Danach mal zur i-Site zum Arbeiten und Laden. So ist das Arbeiten eigentlich gar nicht mal so schlecht. Man sieht was vom Ort und kann entspannt zwischendurch Arbeiten.

Ich hab mich dann entschlossen die Whanganui River Road gemütlich zu fahren und dort auf dem Weg irgendwo zu übernachten. Ganz so gemütlich war es dann doch nicht, weil ich das Fahren einfach so sehr genieße, dass ich nicht immer anhalten will. Am Ende der River Road gibt es dann einen kostenlosen Campingplatz, an dem ich stehen geblieben bin. Ich hab zuerst gekocht und hab mich dann auf eine schöne Bank nahe am Fluss gesetzt. Dort war auch ein deutsches Ehepaar, mit dem ich mich sehr gut unterhalten habe. Wir sind dann auch irgendwann auf die Arbeit gekommen. Die beiden sind Freelancer und er ist Designer. Manchmal braucht er Hilfe, wenn es um das Erstellen von Webseiten geht. Ich konnte wohl von mir überzeugen und ich hab nächstes Jahr vermutlich neue Aufträge. Das ist halt immer noch die beste Art neue Kunden zu finden. Es war auch sehr spannend, mit den beiden über Freelancing allgemein zu reden.

Tag 92: Mittwoch

Genauso gemütlich wie der Platz am Abend war, war er auch am Morgen. Ich war der Erste, der wach war und hab erst mal gemütlich gefrühstückt. Danach habe ich noch ein bisschen gearbeitet und ein paar Tipps für die Probleme mit den Webseiten gegeben.

Ich bin dann wieder in Richtung Zivilisation aufgebrochen. In Turangi hab ich erst mal meine Vorräte im Supermarkt wieder aufgefüllt und hab dann in einem Café gearbeitet. Danach wurde ich dann aber ein bisschen frustriert, weil ich den ganzen Tag noch nichts Besonderes gemacht habe. Ich bin dann noch kurz einen Thermal Walk in der Nähe gelaufen. Das sind aber nur 20 Minuten durch thermisch aktives Gebiet.

Als Nächstes bin ich dann nach Taupo gefahren um in der Bücherei meinen Laptop, beim Arbeiten, laden zu können. Zum Schlafen bin ich dann auf den kostenlosen Campingplatz gefahren, auf dem ich schon mal war. Und es gibt mal wieder Zufälle, die gibt es gar nicht. Zuerst haben sich ein Franzose und die Belgier von der Hüttentour zufällig getroffen und dann haben die drei auch noch mich auf dem Campingplatz getroffen. Wir sind dann ganz gemütlich und lange am Abend zusammengesessen. Wie gut man sich einfach nach nur einer Nacht gemeinsam in der Hütte versteht. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Hüttentour.

Tag 93: Donnerstag

Beim Aufstehen heute Morgen war erst mal herrliches Wetter und wieder Zeit für ein gemütliches Frühstück. Bis die anderen wach waren, hab ich schon all mein Zeug zusammengepackt. Wir sind dann aber noch bis um 12e zusammengesessen und haben uns gemütlich unterhalten. Ich bin dann zur i-Site und hab nach einer kurzen Wanderung für einen halben Tag gefragt. Mir wurden zwei alternativen genannt und am Ende habe ich mich dann doch für den Berg entschieden. Es war nur eine Stunde bis zum Gipfel, aber dort hatte man eine wunderschöne Aussicht. Auf dem Weg runter habe ich dann auch wieder den Franzosen getroffen.

Es ging dann wieder in die Bücherei zum Arbeiten. Es zieht sich jetzt doch am Ende länger als gehofft. Aber ich verdiene immer noch mehr pro Stunde, als an einem schlechten Tag Flower Picking. Mir war ja vorher schon klar, dass ich mit dem Auftrag nicht reich werde. Aber es ist mal ein Anfang.

Ich hab mich dann wieder mit dem Franzosen auf dem Campingplatz getroffen und wir sind noch für ein gemütliches Bier zusammengesessen. Nur war heute das Wetter leider nicht so gut und es hat immer wieder geregnet.

Tag 94: Freitag

Entweder war heute ein Tag, an dem ich sehr viel Glück hatte, oder sehr viel Pech. Kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet.

Heute Morgen war es beim Frühstück nicht ganz so gemütlich, weil es nicht ganz so warm war und mein Essen ausgegangen ist. Wir saßen dann nur noch kurz zusammen und ich bin ein letztes Mal in die Bücherei aufgebrochen um meine Arbeit endlich abzuschließen. Danach ging es los in Richtung Tauranga. Auf dem Weg hab ich dann noch einen Anhalter für ein Stück mitgenommen.

Nachdem ich den Anhalter wieder rausgelassen habe, hat der Spaß angefangen. Zuerst hat meine ABS Leuchte angefangen zu leuchten. Soweit noch nicht schlimm. Nach einer Weile hat mein Auto dann aber angefangen, wirklich sehr ungesunde Geräusche zu machen. Ich bin dann angehalten, konnte aber nichts sehen. In einem kleinen Laden habe ich dann nach der nächsten Werkstatt gefragt. Er meinte aber, dass die meisten jetzt wohl schon geschlossen haben, aber er hat noch versucht, einen Nachbarn zu erreichen. Leider war er nicht da. Ich bin dann halt sehr langsam mit Warnblinker weitergefahren. Irgendwann sind die Geräusche dann verschwunden und ich bin wieder etwas schneller gefahren. Ich hatte sehr viel Glück, dass ich dann bergab bremsen wollte, ohne es wirklich zu müssen. Alle meine Bremsassistenzsysteme scheinen nicht mehr zu funktionieren. Kein Bremskraftverstärker mehr und kein ABS. Ich hab jetzt nur noch eine direkte Bremse. Dann bin ich halt doch wieder die letzten Kilometer sehr langsam nach Tauranga weitergefahren. Ich war dann doch ganz froh Heile angekommen zu sein. Jetzt muss ich leider ein paar Tage in Ungewissheit leben, da keine Werkstatt mehr offen hat.

Ich hatte dann endlich mal wieder eine gemütliche Dusche und ein sehr leckeres Abendessen. Wir haben dann noch angefangen, die Tische für Morgen aufzubauen.

Tag 95: Samstag

Frohe Weihnachten von der anderen Seite der Welt!

Es ist zwar wieder ein sehr angenehmes Gefühl, in einem richtigen Bett zu schlafen, aber heute Nacht war es relativ Laut auf der Straße und am Morgen kam die Kehrmaschine. Meine Ohropax hab ich natürlich im Auto liegen lassen. Also habe ich halt nicht allzu lange geschlafen.

Am Morgen hab ich dann noch mal mein Glück versucht und geschaut, ob die Werkstatt offen hat, leider hatte sie nicht geöffnet. Ich bin dann noch zum Einkaufen gelaufen. Der Rest vom Tag bis zum Abend war dann eher langweilig uns sehr entspannt. Ein krasser Kontrast zu Weihnachten letztes Jahr für mich.

Am Abend waren dann fast 40 Leute im Community House. Insgesamt waren 7 Nationen vertreten und es gab viele Gelegenheiten für gute Gespräche. Es hab ein sehr Gutes Bring & Share Buffet mit allem möglichen. Wir haben dann auch noch ein 5 $ Geschenkeaustausch gemacht, der ganz lustig war. Der einzige Nachteil – nachdem alle gegangen sind, muss man wieder alles aufräumen.

Das war definitiv ein etwas anderer Weihnachstabend, aber trotzdem sehr gut. Hier in Neuseeland wird aber eigentlich sowieso erst morgen so richtig Weihnachten gefeiert. Ich bin gespannt, was mich erwartet.